50 Jahre Jokey Verpackungen

Vom Start-up zum Hidden Champion

Die Jokey Group ist ein führender Hersteller von Kunststoffverpackungen für die abfüllende Industrie. Das mittelständische Familienunternehmen mit Hauptsitz in Wipperfürth, Nordrhein-Westfalen, blickt auf eine 50-jährige Erfolgsgeschichte zurück. Wir sprachen mit dem inhabenden Geschäftsführer Herbert Kemmerich über den gelungenen Aufstieg des kleinen Start-ups zur internationalen Unternehmensgruppe mit 1.950 Mitarbeitern.

Herr Kemmerich, wie haben Sie und Ihre drei Brüder das kleine Familienunternehmen Jokey international so erfolgreich gemacht?

Herbert Kemmerich: Als mein Vater 1968 im kleinen Fähnrichstüttem bei Wipperfürth mit zwei gebrauchten Maschinen und fünf Mitarbeitern mit der Herstellung von Thermoplaste startete, ahnte niemand, was einmal daraus werden sollte. Das hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Kunststoffprodukte wurden damals für den Haushalt gefertigt, nicht für Verpackungen. Innovativ war die Idee, dem einfachen Haushaltseimer einen Deckel zu verpassen. Das war der Anfang des Jokey-Eimers. Heute wird er täglich in vielen Varianten für die unterschiedlichsten Füllgüter im Bereich Food und Non-Food eingesetzt.

Damals dominierten noch die Rohstoffe Weißblech, Aluminium und Glas den Verpackungsmarkt. Mussten Sie die Kunden erst von den Vorteilen der Kunststoffpackung überzeugen? 

Herbert Kemmerich: Die Kunden erkannten die Vorteile schnell: Kunststoffgebinde waren eine preiswerte, ernstzunehmende Alternative. Sie sind im Vergleich zu Blech- und Glasverpackungen formstabil, bruchsicher und schützen die Füllgüter zuverlässig bis zur Ankunft beim Verbraucher. Außerdem wiegen sie weniger und sind stapelbar, verursachen also weniger Kosten und CO2-Ausstoß bei Transport und Produktion. Die Nachfrage stieg schnell, bereits Anfang der 70er Jahre konnten wir eine größere Produktionsstätte errichten. Nach und nach stiegen wir vier Brüder ins Unternehmen ein, mein Vater starb bereits 1975. 

Familienunternehmen sind in Deutschland tragende Säulen der Wirtschaft. Worin liegen Ihrer Meinung nach die Stärken?  

Herbert Kemmerich: Da ist einmal der Eigentumsgedanke: Wir waren immer angetrieben vom gemeinsamen Willen, das Unternehmen weiterzuentwickeln. Wichtig ist eine klare Struktur und Rollenverteilung, ein Teil der dritten Familiengeneration ist bei Jokey auch bereits seit Jahren in verschiedenen Aufgabenfeldern tätig. Familienunternehmen bieten Mitarbeitern oft mehr Sicherheit,  Jokey kann heute auf eine exzellente Eigenkapitalquote bauen. Wir haben eine sehr niedrige Fluktuationsrate, vermutlich auch, weil wir stark auf partnerschaftliche Teamarbeit setzen. Ein gut organisiertes Familienunternehmen kann also durchaus wettbewerbsfähiger sein als ein anders strukturiertes Konkurrenzunternehmen. Natürlich war der Anfang mühsam und verlangte von uns Brüdern einen hohen persönlichen Einsatz, oft 16 Stunden am Tag. Da wir nur etwa 20 Mitarbeiter hatten, sprangen wir auch bei Krankheit ein. Es kam vor, dass ich einen Kunden besucht habe und am nächsten Tag selber mit dem LKW ausgeliefert habe. Der Kunde ist auch heute noch bei Jokey König. Wir sind sehr dankbar, dass wir fast keinen unserer damaligen Kunden verloren haben. 

Sie haben mit Ihren Kunststoffverpackungen auf einen Nischenmarkt fokussiert. Welche Vision hatten Sie für Jokey?

Herbert Kemmerich: Zunächst wollten wir ein solides Mittelstandsunternehmen aufbauen. Das Wachstum kam mit den Chancen, die sich durch zunehmende Globalisierung und Marktveränderungen boten. Als wir 1974 das insolvente Unternehmen Sure Plastik in Gummersbach übernahmen, waren wir die Kleinsten im Markt. Der damalige Mitbewerber war dreimal so groß wie Jokey, im Nachhinein war das unsere größte Herausforderung. Sechs Jahre später konnten wir ein neues Werk in Gummersbach bauen. Neben Wipperfürth ist es bis heute unser zweites Stammwerk, das wir gerade wieder umfassend modernisiert und erweitert haben.

Von Gummersbach aus haben Sie den Heimatmarkt verlassen und 1981 die nordfranzösische Firma Sicopal übernommen …

Herbert Kemmerich: Der französische Mitbewerber ist auf der Pack Emballage in Paris an uns herangetreten. In Frankreich haben wir erstmals eine internationale Produktionsstätte aufgebaut. Den westeuropäischen Markt bedienten damals nur die Amerikaner und Japaner, er bot große Potenziale für Jokey. Wir sind auch immer wieder unseren großen Kunden gefolgt. Mit dem Mauerfall eröffnete sich für uns die Möglichkeit, die Wachstumsdynamik der neuen Bundesländer und des osteuropäischen Marktes zu nutzen. Heute haben wir hier fünf Produktionsstätten: in Sohland bei Dresden, in Polen, Tschechien, Weißrussland und Zentralrussland. Unser Vertriebsgebiet reicht dadurch bis an den Ural und Sibirien.

In Russland, Kasachstan und Tschechien sind Sie Marktführer. Wie konnten Sie Ihre Position trotz der oft schwierigen wirtschaftlichen Lage hier ausbauen?

Herbert Kemmerich: Es gab enormen Nachholbedarf in Osteuropa und wir zeigten viel Präsenz, vor allem auf Messen. Dort kamen schnell Großkunden auf uns zu. So konnten wir nach der Wende Schritt für Schritt einen riesigen Markt abdecken, fast alle osteuropäischen Länder. Einer meiner Brüder ist nach Polen gereist und hat das Werk dort mit aufgebaut. Das war Pionierarbeit, denn es fehlte vor Ort vor allem an Infrastruktur. Aus heutiger Sicht war die konsequente Internationalisierung der richtige Weg für Jokey. Von unserem Standort in Istanbul aus können wir den südosteuropäischen Markt abdecken. 2000 und 2007 kam mit Joktal in Algerien und Jokey Egypt der nordafrikanische Markt hinzu, 2005 der nord-amerikanische und gerade bauen wir eine neue Produktionsstätte in Belgrad auf.

Was waren rückblickend die wichtigsten Bausteine Ihrer Erfolgsstrategie?

Herbert Kemmerich: Eine klare Vision, ein gutes Team, man muss die Mitarbeiter mitnehmen, damit auch sie begeistert bleiben. Eigenverantwortlichkeit der einzelnen Bereichsleiter, aber auch jedes einzelnen Beschäftigten. Und natürlich das richtige Produkt zur richtigen Zeit. Durch Internationalisierung lassen sich Kosten bündeln. Etwa im Bereich Forschung und Entwicklung: Hier entstehen die Innovationen. 1986 waren wir weltweit die ersten, die Rundgebinde mittels 8-fach Offsetdruck gestalten konnten. Hier wird ständig optimiert, Werkzeuge können im Vorfeld exakt berechnet werden. Wir reinvestieren viel Geld in diesen Bereich. Und da ist es ein großer Unterschied, ob Sie 500 Millionen Umsatz machen oder nur 5 Millionen. Der konsequente Ausbau der Digitalisierung und Vernetzung ist ebenfalls eine Zukunftsinvestition, um jederzeit eine gleichbleibend hohe Qualität und Versorgungssicherheit in allen Märkten zu sichern. Heute werden über 75 Prozent unserer Produkte international abgesetzt. Unsere deutschen Wettbewerber sind diesen Weg nicht gegangen. Und ich kenne kein Familienunternehmen in unserer Branche, das den Weg der Internationalisierung wie wir gegangen ist.

Sie waren lange auch für den Vertrieb verantwortlich und so nah am Kunden. Welche Rolle hat die Kundenorientierung bei der Entwicklung Ihrer Packaging-Produktpalette gespielt?

Herbert Kemmerich: Das breite Jokey-Standardprogramm ist das Ergebnis einer 50-jährigen Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Für einen Großkunden zum Beispiel haben wir eine neue Verpackung entwickelt, mit der er 30 Prozent mehr Gebinde auf einer Palette transportieren und damit erhebliche Frachtkosten einsparen konnte. Für Molkereikunden haben wir das Peel-Sealing für Großgebinde entwickelt, den Jokey-Seal-Tainer. Eine technische Herausforderung, durch die wir aber letztlich ein größeres Marktsegment dazu gewinnen konnten. Ein so großes Packaging-Programm von starren Deckelgebinden wie das von Jokey ist weltweit einmalig. Unsere JET-Serie gibt es in allen Größen und Formen: rund, oval, rechteckig. Mit Metallgriff oder angespritztem Kunststoffbügel, der übrigens 1995 auch einen technischen Meilenstein darstellte. Damit waren die Eimer zu 100 Prozent recycelbar. Niemand ahnt, wie viel technisches Know-how aus jahrelanger Forschung und Entwicklung dahinter steckt. Seit 2002 haben wir einen eigenen Werkzeugbau und können so eine zuverlässige Qualität im Formenbau zu garantieren.

Das Verpackungsgesetz strebt bei Kunststoff bis 2022 eine Recyclingquote von 63 Prozent an. Wie reagiert Jokey auf den wachsenden Anspruch an nachhaltige Verpackungen?

Herbert Kemmerich: Seit Anfang der 90er Jahre konnten wir mittels ThinWall Technology das Materialgewicht unserer Kunststoffverpackungen um ein Drittel reduzieren. Das ist sowohl aus ökonomischer als auch aus ökologischer Sicht ein Gewinn. Das Jokey Eco Concept zielt auf maximale Nachhaltigkeit entlang des gesamten Produktlebenszyklus. Die von uns eingesetzten Kunststoffe sind zu 100 Prozent recyclingfähig. Derzeit setzen wir für Non-Food-Füllgüter den Fokus wieder verstärkt auf den Einsatz von Sekundärrohstoffen aus Post-Consumer-Sammlungen, auch weil Kunden und ihre Abnehmer das verstärkt wünschen. Im Einsatz hatten wir den grauen Rezyklat-Eimer schon 1991 mit Henkel. Damals war die Kundenakzeptanz leider noch nicht ausreichend vorhanden. Seither haben wir das Thema bei verschiedenen Initiativen immer wieder aufgegriffen. Auch in diesem Jahr: Gemeinsam mit Branchenverbänden und Umweltgremien bewerben wir die Initiative Grau. In jedem Fall planen wir den Anteil von Sekundärrohstoffen in unseren Verpackungen deutlich zu erhöhen. Endende Ressourcen, Plastikmüll in Meeren, die wachsende Erdbevölkerung sind Themen, die uns alle zu mehr Nachhaltigkeit verpflichten.

Was hat sich Jokey für die nächsten Jahre vorgenommen?

Herbert Kemmerich: Wir werden unseren erfolgreichen Weg konsequent weitergehen. Wir wollen weiter wachsen, uns neue Märkte anschauen, etwa in Asien. Wir werden die Diversifizierungsstrategie fortsetzen. 2017 konnten wir mit der Übernahme des spanischen Verpackungsherstellers Treplas einen Experten für gespritzte Verschlüsse gewinnen, der unser Produktportfolio erweitert. Wir bauen Zukunftstechnologien wie Verpackung 4.0 und Smart Packaging weiter aus. Wir verfolgen sehr genau neue Trends, Marktentwicklungen und Vertriebskonzepte. Es macht Freude, immer wieder etwas Neues hervorzubringen. Doch nicht unsere Entwickler entscheiden am Ende, sondern unsere Kunden und deren Abnehmer.

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